DAS EWIGSCHNEEFELD – ODER DOCH NICHT SO EWIG?

Vor zwei Wochen unternahm ich, gut ausgerüstet mit Steigeisen, Eispickel und Rucksack, in einer 10-er Seilschaft ein Trekking auf dem Aletschgletscher. Die Tour führte vom Jungfraujoch den Jungfraufirn hinunter bis zum Konkordia Platz wo drei mächtige Firnströme zusammenfliessen, der Jungfraufirn, der Aletschfirn und das Ewigschneefeld.

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Am Konkordiaplatz liegt die Konkordiahütte, in der wir übernachteten. Hier fällt der Gletscherschwund zum ersten Mal richtig auf. Im majestätischen Anblick dieses riesigen und wunderschönen Naturspektakels wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass das ewige Eis doch nicht so ewig ist. Die Konkordiahütte wurde nämlich 1877 auf einem Felsen knapp über dem Gletscher erbaut. Aufgrund des Gletscherrückgangs wurde im Laufe der Zeit eine Treppe verlegt, die in den letzten Jahren mehrmals verlängert werden musste. Aktuell liegt die Hütte bereits 150m über dem Gletscher. 1,2 Man stelle sich diese riesige Eismasse vor, welche seither abgeschmolzen ist.

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Die globale Erwärmung seit Mitte des 19.Jahrhunderts ist vor allem dem durch uns Menschen anthropogen verursachten Treibhauseffekt zuzuschreiben. Dadurch kommt es weltweit zu einem Rückgang des Gletschereises mit zum Teil schweren Folgen. Damit ist nicht nur das Verschwinden eines wunderschönen Naturphänomens gemeint, sondern auch die Gefahr von Überschwemmungen durch steigende Flusspegel und den Anstieg des Meeresspiegels mit Untergang von mehreren Inselstaaten, was zu weiteren Flüchtlingsströmen führen wird. Dazu gesellen sich noch andere einschneidende Veränderungen wie Wassermangel in den Berggebieten, die Umsiedelungen zur Folge haben werden, ungewohnte Trockenperioden und extreme Wetterveränderungen.

In den Schweizer Alpen sind bereits mehr als 50% der Gletscherflächen im Vergleich zu 1850 verloren gegangen.3 Studien haben gezeigt, dass bei einer durchschnittlichen Erderwärmung von 5° bis ins Jahr 2100 praktisch jeder alpine Gletscher geschmolzen sein wird.4 Die neueste Studie des globalen Gletscher-Überwachungsservices (World Glacier Monitoring Service) ergab, dass die Eisdicke derzeit jedes Jahr um einen halben bis einen ganzen Meter abnimmt und die Gletscher somit durchschnittlich 2-3mal schneller schmelzen als der entsprechende Durchschnitt im 20.Jahrhundert.5

Es gibt unterschiedliche Haltungen, mit der Klimaerwärmung und den damit zusammenhängenden Naturveränderungen umzugehen. Einerseits Bagatellisierung und Beschwichtigung: „das ist doch gar nicht so schlimm, das sind alles nur Horrorszenarien, Gletscher schwinden doch schon lange, alles ist immer im Wandel, und sowieso, was kann man als Einzelperson schon verändern?“

Dies ist nicht meine Philosophie. Ich setze mich ein für eine verantwortungsbewusstere Haltung. Durchaus im Bewusstsein, dass alles sich ändert und nichts ewig bleibt. Die gilt auch für Beziehungen, die Jugend und das Leben selbst. Und dennoch setzen wir uns ein und versuchen, die Veränderungen in eine günstige Bahn zu lenken: auf der persönlichen Ebene arbeiten wir an unseren Beziehungen, wir halten uns fit und gesund und wir versuchen, keinen Raubbau  an unserem Leben zu treiben. Warum nicht auch auf der gesellschaftlichen Ebene etwas gegen die Klimaerwärmung tun und damit den Aletschgletscher und die anderen Gletscher so lange wie möglich zu bewahren? Warum nicht im Kleinen etwas ändern? Sparsamer umgehen mit unseren Ressourcen? Denn wenn wir alle etwas ändern, werden wir Teil einer grossen Masse, und so haben wir die Macht, grosse Veränderungen herbeizuführen.

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Wer sich ebenfalls dafür interessiert, im Alltag etwas umweltbewusster zu leben, kann auf http://www.wwf.ch/de/aktiv/besser_leben/footprint/ seinen ökologischen Footprint berechnen und an den entsprechenden Stellen aktiv etwas ändern.

 

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  1. Die Alpen: Konkordiahütte feiert Geburtstag. Artikel zum 125 Hüttenjubiäum (PDF)
  2. Dario-Andri Schwörer: Klima und Alpinismus im Wandel der Zeit. Kapitel 4.1. Hütten. Scuol 1999
  3. Michael Zemp: Glaciers and climate change – Spatio-temporal analysis of glacier fluctuations in the European Alps after 1850.PhD thesis, Universität von Zürich, 2006, 201 Seiten (PDF, 7,4 MB)(Memento vom 21. Februar 2007 im Internet Archive)
  4. Michael Zemp, W. Haeberli, M. Hoelzle, F. Paul: Alpine glaciers to disappear within decades? In: Geophysical Research Letters.33, 2006, L13504, doi:1029/2006GL026319. Siehe auch die Pressemitteilung online
  5. World Glacier Monitoring Service
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